Komplexe Winkel

Damit die Kanten einen guten Anschluss an den Rumpf bekommen, müssen sie in einem komplexen Winkel angeschnitten werden. Ich probiere die Beschreibung erstmal an einem kleinen Kantholz aus, schneide erste den einen und dann den anderen Winkel. Das Ergebnis passt an den Rumpf, aber wie ich das auf der gesamten Länge der Flügelkante hinbekommen soll, ist mir noch ein Rätsel. Ein paar Probestücke später haben H. und ich allerdings einen Weg gefunden, den Winkel mit einem Schnitt auf der Kreissäge zu sägen. Um möglichste wenig Verschnitt bemüht, tasten wir uns ran und bald habe ich die Backbordflügelkante passend in der Hand.

Um den Schnitt nun spiegelverkehrt für die Steuerbordseite zu setzen, bedarf es nochmal einiges Umdenken. Leider zeigt sich bei dem Zuschnitt auch, dass mein Leimholz insgesamt etwas zu kurz war und mir gut 1cm an der Flügelkante fehlt.

Kurzerhand klebe ich einen der Abschnitte wieder an, wobei es viel Kreativität und einige Flüche braucht, bis die Schraubzwingen dieses schräge Gebilde in Form halten. Die fehlende Form nachher beizuhobeln ist dagegen ein Kinderspiel. Den Ansatz wird man später nicht sehen, selbst wenn die Kante klar lackiert wird, da er unter der Scheuerleiste verschwinden wird.

Kleiner Hobel, lange Späne

Die Flügel bekommen Kanten aus Vollholz, damit es etwas stabiler wird und ich beim Trapezen gut drauf stehen kann. Und auch die vorderen Kanten sollen aus einem fetten Vollholzblock gefertigt werden, weil darüber die Lasten der Wanten und des Trapezes abgetragen werden. Ich weiß allerdings nicht, wie wichtig es ist, das Ding wie im Plan aus vier Stücken zusammen zu setzen und warum zwei verschiedene Hölzer verwendet werden sollen. Da es aber so mühselig ist, die schöne Baumscheibe in schmale Bretter aufzusägen, teile ich den Block nur in zwei Teile und leime sie wieder zusammen, damit sich später nichts verzieht. Allerdings werde ich den Zapfen, der in den Flügel greift, extra ansetzen, weil mir das für die Formgebung der Kante einfacher erscheint.

 

Ich will die Form ähnlich wie bei Schwert und Ruder, mit Hilfe des Frässchlittens rausarbeiten. Allerdings steht in diesem Fall auf einer Seite sehr viel über die Form über und um etwas schneller zu sein, versuche ich, einen Großteil davon mit dem Abrichthobel runterzunehmen. Grundsätzlich geht das auch prima, nur dass ich den Druck aufs Werkstück anscheinend nicht gleichmäßig halten kann, wenn ich von vorne nach hinten umgreife und somit schief hobele. Ich steige darum relativ schnell auf die Fräse um, das geht dann aber ruckzuck. Allerdings ist der Block höher als Schwert und Ruder es waren und selbst mit dem längsten Fräskopf komme ich nicht ganz bis nach unten. Da funktioniert die Hobeltechnik dann allerdings super und der kleine Handhobel erzeugt wunderbare Korkenzieherspäne auf dem Weg zur schönen Form.

Fleißarbeit, dachte ich

Die Fräsarbeit an der zweiten Schwertseite habe ich noch im Frühling fertig gemacht und seitdem hat das Schwert den gesamten Sommer über geduldig unter einer Folie unterm Frässchlitten verbracht. Ohne warme Temperaturen in Sicht, habe ich nun die Ruhe, den Mittelteil der Oberfläche fertig zu schleifen. Anschließend löse ich das Schwert aus der Halterung, indem ich die Stege links und rechts vorsichtig mit dem Fräser abschneide. Auch wenn noch viel dran zu tun ist, sieht es jetzt tatsächlich schon mal aus wie ein Schwert.

Statt jedoch das Schwert fertig zu schleifen, bemühe ich nochmal den Frässchlitten und fräse erstmal das Ruder. Danach kann ich nämlich den Frässchlitten abbauen und habe die Arbeitsfläche wieder frei. Wie beim Schwert zeichne ich also auf beiden Stirnseiten eine Mittellinie und bringe ein Profil an einer Seite an. Anschließend richte ich die Planke mit Schieblehre, Keilen und Schrauben so aus, dass die Linie an allen vier Ecken den gleichen Abstand zum Frässchlitten hat.

Die erste Seite ließ sich dann auch erstaunlich schnell fräsen und in der Mitte schleifen. Ich hätte mir gerne eingeredet, dass es daran liegt, dass ich schon Übung habe, aber wahrscheinlich liegt es nur daran, dass es um einiges kürzer und schmaler ist als das Schwert.

RuderFraesen1RuderFraesen2

Denn bei der zweiten Seite passte es irgendwie nicht mehr. Nachdem ich die Oberseite planiert und die erste Hälfte profiliert hatte beschlich mich das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Wohl wissend, dass ich den ersten Einbau im Schein der Taschenlampe mit einigem Schattenwurf gemacht hatte, maß ich also nach. Und maß nochmal nach.

Vorsichtshalber habe ich Anschläge für die Schieblehre an meine Mittellinie geklebt und wieder gemessen. Als ich dann zufrieden war, habe ich erstmal wieder alles planiert und weiter gefräst. Aber als ich am Wochenende drauf wieder kam, war irgendwie wieder etwas schief und die Fräse nahm vorne und hinten unterschiedlich viel weg. Laut Schieblehre stimmte aber alles. Und so ging es zwei Wochenenden später wieder. Aber ich hatte keine Idee, was los war.

RuderFraesen8RuderFraesen9

In meinem Beruf gilt die Faustregel, dass etwas signifikant unterschiedlich ist, wenn man den Unterschied mit bloßem Auge sehen kann. Nun, gleich sind die beiden Seiten am hinteren Ende des Ruders sicher nicht. Aber ich habe es erstmal ausgebaut und werde mir überlegen, wie ich das noch retten kann.

Frühling, wo bist Du?!?

Kaum hatte ich mich beim Hohlkehlenziehen warm gelaufen, wurde es auch schon wieder zu kalt für Epoxy. Obwohl es also schon April ist, mache ich darum mit meinem Winterprojekt, den Foils, weiter. Die geleimten Bohlen müssen dafür profiliert werden und nach einem Tipp aus einem anderen Blog stand fest, dass ich es mit einer Oberfräse versuchen will, die ich auf einem Schlitten gerade über die Bohle führen kann. Da H. –  wie schon bei der Helling – der festen Überzeugung ist, dass so eine Schlittenkonstruktion krumm und schief wird wenn man sie aus Holz baut, musste zwingend ein Metallbau her. Während er tüftelte und schweißte, kümmerte ich mich um die Frage, wie ich denn das Profil vom Papier gut auf die Bohle übertragen bekomme. Klar, eine Kopie des Plans war schnell gemacht und das Profil damit auf die Stirnseite der Bohle zu übertragen wäre ein Kinderspiel. Aber dann hätte ich den Fräser per Augenpeilung auf die richtige Höhe einstellen müssen, was selbst mir dann doch zu ungenau erschien. Stattdessen habe ich also die Profilform auf ein Stück 10 mm Sperrholz übertragen und es mit der großen Schleifmaschine in Form geschliffen. Diese Form wurde dann auf die Stirnseite der Bohle geschraubt und beschert mir einen feinen Anschlag für den Fräskopf.

Bevor es dann losgehen konnte, habe ich das Schlittengerüst und die Bohle in waage ausgerichtet und gründlich fixiert. Dieser Satz klingt recht banal, es hat aber eines halben Tags hantieren mit Wasserwaaage und Schieblehre bedurft, bis die Bohle so lag, dass ihre Mittellinie überall den gleichen Abstand zum Schlitten hatte. Ich habe die Mittellinie zum Ausrichten genommen, weil beide Oberflächen ja nach dem Leimen etwas uneben waren, was ja dann später weggefräst wird.

Und dann ging es los, Fräser auf den Schlitten setzen, Frästiefe einstellen und Schicht für Schicht das Schwertprofil aus dem Holz herausarbeiten. Der Trick mit dem vorgesetzten Profil, auf das ich den Fräser aufsetzen kann hat super funktioniert und das Schwierigste an der Arbeit war tatsächlich überhaupt zu verstehen, wie die Fräse funktioniert. Wie rum dreht sich der Kopf? Wo nimmt er dann das Holz ab? In welche Richtung arbeite ich also am besten? Und wie stelle ich die Höhe des Fräsers ein??

Nachdem ich den Bogen raus hatte, musste ich nur noch konzentriert arbeiten. Denn natürlich ist die Stahlbauweise nicht die Lösung für alle Schiefen-Probleme. Wenn man etwas drückt, biegt sich der Schlitten nämlich durch und Schwups hat man unterschiedlich tief gefräst.

Aber irgendwann war die erste Seite dann soweit profiliert, dass bis zur Mittellinie nur noch dünne Stege rechts und links dran waren. Ich habe die Gelegenheit, dass das Schwert durch die seitlichen Auflagen noch stabil und gerade liegt, genutzt um den Mittelteil schonmal zu schleifen. Oh wei ist Esche hart! Das Profil wirklich glatt zu schleifen wird noch einige Zeit dauern.

Aber erstmal ist die zweite Seite dran.