Umgedreht

Meine Helling ist ja nicht die vorgesehene Helling, darum funktioniert auch das Umdrehen nicht wie vorgesehen. Aber in dieser gutausgestatteten Werkstatt finden sich sogar Pratzen, die auf Böcke montiert und mit Lappen gepolstert eine super Auflage für das Boot kielunten liefern.

Bevor ich es von der Helling losschraube, klebe ich noch die selbstbau Schraubzwingen fest, damit bloß nichts verrutscht, während wir das Boot drehen. H. fasst mit an und zusammen heben wir den Steckdino hoch. Eigentlich ist es klar, dass er nichts wiegt. Es ist ja nur ein bisschen Sperrholz. Trotzdem ist es irre, wie leicht er ist, einfach weil ich bei der Form etwas anderes erwarten würde. Wäre er nicht so sperrig, könnte ich ihn alleine drehen.

Kaum habe ich mich von dem Manöver erholt, kommt schon die nächste Herausforderung. Die Schiene, in der der vordere Teil des Spantengerüsts steckt, muss ab. Jetzt zeigt sich, ob ich gut abgeklebt hatte, bevor ich mit Epoxy am Bug rumgeschmiert habe. Aber mit ein paar gekonnten Hammerschlägen löst er sich ohne zu murren. Puh!

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Die nächsten 3-4 Stunden verbringe ich anschließend damit, die Kanten sowie die Bereiche rund um die Spanten anzuschleifen. Das dauert unter anderem so lange, weil ich das meiste davon von Hand machen muss. Der Deltaschleifer ist so lang (und schwer), dass ich damit nur an die wenigsten Stellen komme. Und je weiter ich mich nach vorne arbeite, desto steiler wird der Winkel zwischen Mittelrippe und Planke, was die Arbeiten zusätzlich erschwert.

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Der erste warme Tag

Der erste warme Tag des Jahres war ein Dienstag und ich hatte sogar Urlaub. Aber statt an unseren jeweiligen Baustellen zu arbeiten, waren wir in Warnemünde und tranken Cappuccino mit Blick aufs Meer.

Die Helling

Die Anleitung dazu ist recht eindeutig: Nimm zwei gerade Balken von gut drei Meter Länge, fixiere sie mit diagonalen Streben so dass sie parallel zu einander sind und lege sie auf Böcke. Daran richtest du dann dein Spantengerüst absolut parallel und in waage aus.

Tja, nur wo bekomme ich zwei so lange Holzbalken her, die absolut gerade und winklig sind? Aber ich arbeite ja in einer gut ausgestatteten Werkstatt und findet sich eine Alu-Leiter, die als gerader Träger dienen kann. Nur leider ist sie nicht breit genug und auch ein bisschen lang. Würde ich darauf die Spanten aufsetzen, würden die Planken sich mit der Leiter ins Gehege kommen. Dafür kann man ja kurze Holzstücke in passender Breite dran zwingen, deren Oberkanten man dann mit dem Richtscheit ausrichtet. Super Idee, denn dann müssen auch die Böcke nicht absolut in waage stehen. Gesagt – getan. Ich habe Klötze in der richtigen Breite und Länge gebaut und in den Abständen an der Leiter festgemacht, wie der Spantenabstand im Plan steht. Nach nur dreimal Ausrichten und zweimal die Abstände ändern war dann auch alles gut und die Spanten lagen schön in einer Flucht.

Dann kamen die Stützhölzer dran. Die müssen leicht schräg (so 89 Grad) an die Klötze, um die Spanten in Position zu halten. Okay, mit Schraubzwingen fixieren, ausrichten, festschrauben. Dabei darauf achten, dass sie nicht über das Spantengerüst hinaus ragen, weil sonst später die Planken nicht drauf passen. Und wenn alles passt: festschrauben!

Nur leider dauert es ewig, bis alles passt. Denn wenn man die unteren Klötze zu doll an die Leiter zwingt, drückt man die Leiter ein. Und wenn man nicht doll genug zwingt, verschieben sich die Klötze, wenn man an den Stützhölzern ruckelt und man kann nochmal gaaanz von vorne anfangen. Und wenn man dann noch zu spät feststellt, dass die Stützhölzer ober drüber ragen, stellt sich die Frage: Baue ich das Stützholz nochmal komplett ab um es kürzer zu sägen, oder säge ich vor Ort. Vor Ort sägen ist übrigens eine Scheiß-Idee…Von wegen Ruckeln und Schraubzwingen an der Leiter und so.

Meine nächste Helling wird aus zwei langen Kanthölzern, die mit diagonalen Streben verschraubt sind, so dass sie parallel zu einander sind. Viel ungenauer kann das auch nicht werden. Erstrecht nicht, wenn ich sehe, wie verzogen die Spanten in sich sind. Die Mittelrippe richte ich daher noch gerade, indem ich links und rechts Kanthölzer anklemme.

Aber am Ende steht die Helling, die Spanten sitzen drauf und sind mit dem Stützhölzern verschraubt: der Steckdino steht.