Wie man sieht, sieht man nichts

Im Dezember war es ein paar Wochen ziemlich kalt und an einem Wochenende zu kalt um still an der Fräse zu stehen. Da habe ich mich damit aufgewärmt, die Unterseiten der Decksplanken mit der Hand anzuschleifen.

Und dann hat es letzten Endes bis Ende September gedauert, bis ich auch den Innenraum komplett angeschliffen hatte, um die beiden letzten Lagen Epoxy für die Versiegelung aufzutragen. Damit ich nicht durch die erste Schicht durchschleife, konnte ich diesmal nicht schweres Gerät auffahren sondern konnte neben dem Handschleifpapier nur den Rotex auf den größeren Flächen einsetzen. Dennoch hat das nicht wirklich das komplette Dreivierteljahr gedauert, sondern es kamen einfach Dinge dazwischen. Zum einen war es im Winter lange so kalt, dass die Atemluft in der Staubmaske kondensierte und aus der Lüftung tropfte. So macht schleifen keinen Spaß. Dann kam im Frühling erstmal der Ausbau der blauen Elise dran und im Sommer sorgten Hitzewelle und Arbeiten im Labor dafür, dass ich schlichtweg keine Lust hatte am Wochenende zu schleifen.

Aber Mitte August war es dann geschafft und der Innenraum war angeschliffen und ausgesaugt. Nach dem Urlaub kamen dann Mitte September innerhalb eines Tages die nächsten beiden Schichten Epoxy drauf. Diesmal habe ich für die großen Flächen eine Rolle genommen und hinterher mit einem breiten Pinsel geschlichtet, damit möglichst keine Blasen entstehen. Für die ganzen Ecken und Kanten musste aber auch diesmal wieder der kleine Pinsel ran.

Die beiden Schichten mussten unbedingt nass in nass aufgetragen werden, denn nochmal wollte ich den Innenraum garantiert nicht anschleifen. Ich bin sehr froh, dass das jetzt geschafft ist, aber leider sieht das Boot jetzt genauso aus, wie letztes Jahr um diese Zeit, was schon auch ein wenig frustrierend ist.

Ebenfalls frustrierend war, dass ich heute in meinen Blognotizen gelesen habe, dass ich die Decksplanken schon im Dezember angeschliffen hatte. Als ich sie mir nämlich Mitte September angeguckt habe konnte ich das nicht erkennen und bin nochmal schnell mit dem Rotex drüber gehuscht bevor ich auch hier die beiden Epoxyschichten nass in nass draufgerollt habe.

Werbeanzeigen

Vier Tage Schleifen

Der nächste Schritt ist die Versiegelung des Innenraums, was in der Bauanleitung mit einem Satz abgehandelt wird. Es setzt aber voraus, dass alle Flächen angeschliffen sind und das ist bei den ganzen Ecken und Kanten gar nicht so leicht. Um möglichst viel mit der Maschine zu machen, ziehe ich alle Register: Rotex, Deltaschleifer, Kantenschleifer auf dem Multimaster, Lamellenaufsatz auf der Bohrmaschine und sogar ein Kunststoffbürstenaufsatz auf dem Akkuschrauber. Trotzdem bleiben noch jede Menge Stellen übrig, die mit der Hand geschliffen werden müssen. Aber nach dem langen 4-Tage Wochenende Anfang Oktober ist es geschafft und ich warte darauf, dass es nochmal warm wird um die erste Schicht aufzutragen.

Die Wartezeit verbringe ich damit, die Decksplanken anzupassen. Trotz genauem Zuschnitt, liegt die mittlere Planke nicht sauber auf dem Spiegel auf, passt auch nicht in die Bugform und schließt nicht sauber mit den Seitenplanken ab. Mit Stichsäge und Schleifpapier arbeite ich nach und weigere mich, darüber nachzudenken, wo der Fehler her kommt und welche Auswirkungen das haben könnte.

Zwei Wochen später tut das Wetter mir den Gefallen nochmal warm zu werden und ich streiche den gesamten Innenraum und die Unterseiten der Decksplanken. Für die größeren Flächen nehme ich dafür einen Spachtel, denn damit wird der Auftrag dünner und es entstehen keine Blasen. Die erste Schicht hat schließlich nur die Funktion, die Holzfasern aufzustellen. Über den Winter kann ich die dann in Ruhe anschleifen, um im Frühjahr die zwei Schichten für die Versiegelung aufzutragen.

Mast- und Schotblock

Bevor ich den Deckel drauf machen kann, müssen noch ein paar Einbauten ins Boot: Ein harter Klotz in den ich später den Schotblock schrauben kann und Stützen unter die Mastpositionen, damit er nicht durchs Deck drückt.

Um die Maststützen wirklich senkrecht einzupassen, richte ich erstmal das Boot in waage auf den Pratzen aus. Da sie einzeln höhenverstellbar sind, geht das ganz gut.

Die entsprechenden Profile säge und hoble ich aus Eschenresten und passe die Maststützen unten an die Form des Rumpfes an. Da ich dort bereits schon eine Hohlkehle gezogen habe, ist es nicht mit einem einfachen Winkel getan. Aber nach ein bisschen hin und her zwischen Bandschleifmaschine und Boot passen alle vier Teile. Den Block auf dem später der Schotblock sitzen soll, schneide ich auch aus Esche zu.

Beim Anpassen der Maststützen fällt mir auf, dass ich da später mit dem Pinsel nicht mehr zwischen kommen werde und somit die Innenseite unversiegelt bleiben würde, wenn ich die Stützen einfach roh ankleben würde. Also überziehe ich die Innenseiten schnell noch mit 3 Lagen Epoxy und lackiere dabei auch gleich die Kanten der Mittelrippe an den entsprechenden Stellen mit. Dabei frische ich altes Wissen ganz praktisch wieder auf. Denn ich habe vergessen, das Klebeband, das ich zum Schutz um die Kanten geklebt hatte, rechtzeitig wieder abzuziehen. Und besonders unten in der Hohlkehle ist es super festgeklebt und ziemlich blöd wieder rauszufriemeln.

Maststuetze5

Kein Boot ohne Klebeband

Die Bugplatte wird gedoppelt, wobei die äußere Platte auf beiden Seiten 4mm übersteht. Da setzen später die Planken an. Aus Sperrholzabschnitten baue ich mir Abstandshalter, indem ich sie mit Paketband beklebe, damit sie nicht am Epoxy festkleben. Mit noch mehr Paketband klebe ich sie senkrecht bündig an die äußere Platte. Dann klebe ich die innere Platte passend ein. Der Paketband-Trick klappt super und die Abstandshalter lassen sich hinterher leicht lösen. Die Epoxyreste an den Kanten schleife ich an, dann kann die Platte darauf warten eingebaut zu werden.

Als es soweit ist, ist nur der Bug immer noch schief, weil die Mittelrippe einen Schwung hat. Ich schnitze ein Holz, das um den Stringer herum an der Mittelrippe anliegt und ziehe es mit einer Leine rüber, so dass der Bug senkrecht steht. Gut dass in der Halle so viele schwere Böcke rumstehen, an denen ich das Ding festbinden kann. Dann kann die gedoppelte Bugplatte angeklebt werden. Wichtig dabei ist es, die Ritzen und Stirnseite des Stützbalkens abzukleben, damit er mir nicht am Boot festklebt.

Bugspitze

Abkleben ist auch wichtig, während ich die Bugspitze mit 3 Schichten Epoxy lackiere. Da komme ich nämlich später nicht mehr dran, wenn ich erstmal die Planken drauf habe. Die erste Schicht Epoxy ist aber so uneben und voller Blasen geworden, dass ich sie komplett schleifen muss. Ich weiß nicht wie das kam, denn beim Lackieren war es glatt und die Blasen haben sich erst nach dem Schlichten gebildet. Aber im Grunde ist es wurscht, denn die erste Schicht muss eh angeschliffen werden, damit sämtliche aufstehende Fasern abgeschnitten werden.

In Vertrauen auf Dudleys Fotos habe ich bei der Aktion nur die Mittelrippe bis zum ersten Spant und vom Kiel bis zur halben Höhe gestrichen. Als ich probehalber eine Planke auflege, werde ich allerdings unsicher ob ich später an die Unterseite der Stringer noch drankomme. H., der nebenan seine Friendship wieder flott macht, hatte auch so etwas geunkt und so habe ich vorsichtshalber die Stringer auch nochmal mit 3 Schichten Epoxy lackiert. Nur die Seite, auf die die Planke aufgelegt wird habe ich abgeklebt und ausgespart. Da soll es schließlich später ordentlich kleben. Sicherheitshalber habe ich auch gleich die Kanten der Aussparungen in der Mittelrippe mit gemacht, wofür ich allerdings die Anschlüsse ans bestehende Epoxy anschleifen musste. Natürlich wäre es schlauer gewesen, das alles in einem Rutsch zu machen, aber eine lange Baupause im Sommer führte dazu, dass ich gedanklich raus war und etwas auf dem Schlauch stand. (Dieser Pause schreibe ich auch zu, dass ich es total verbaselt habe von diesen Arbeitsschritten Fotos zu machen.) Wenn ich das Boot das erste Mal umdrehe wird sich zeigen ob sich der Aufwand wirklich gelohnt hat.

Auf die Länge kommt es an

Der schmale Schwertkasten setzt auch voraus, dass der Kasten von innen später keine Kratzer und Macken im Lack bekommt, wodurch das Holz Wasser ziehen kann. Denn ich kann ihn später ja nicht von innen lackieren. Also habe ich den Kasten länger und breiter gebaut, damit noch Platz für einen Einsatz ist, in dem das Schwert läuft und der Verschleißteil sein wird. Ich habe eine grobe Idee, wie das Ding aussehen wird und aus welchem Material es bestehen wird, aber genaues sehen wir dann. Erstmal musste ich die neuen Maße ausrechnen und dafür sorgen, dass das Boot insgesamt trotzdem nicht länger wird. Die beiden Teile der Mittelrippe mussten also in gleicher Position bleiben, wie in der Originalkonstruktion, nur die Kopfstücke bzw. die Schlitze darin mussten geändert werden. Wenn die Kopfstücke aber andere Maße bekommen, schließen sie nicht mehr bündig mit den Seitenteilen des Schwertkastens ab. Das finde ich jetzt nicht so schlimm, denn das ist später so im Boot drin, dass es niemals wieder jemand sieht. Sobald die Kopfstücke 3 Lagen Epoxy drauf haben, können die Seitenteile des Schwertkastens dran. Wie man sieht habe ich aus dem ersten Schraubzwingendebakel gelernt und die Zwingen ordentlich mit Klarsichtfolie oder Klebeband umwickelt, damit sie nicht am Epoxy kleben bleiben.

Da die Seitenteile nicht mit den geänderten Kopfstücken abschließen, kann ich die Seitenteile nicht dafür verwenden, den Abstand zwischen den beiden Teilen des Spantengerüsts zu bestimmen. Also habe ich eine Lehre gebaut, mit der ich die Position der Mittelrippenteile zueinander bestimmt habe und hoffe nun, dass alles passt. Es wäre ja doof, wenn jetzt meine Planken zu kurz sind.

Damit der Schwertkasten am Ende senkrecht steht, musste ich ordentlich richten. Es hat geholfen, oben an die Wirbelsäule Versteifungen zu klemmen, damit sie gerade ist. Aber den vorderen Teil des Spantengerüsts musste ich auch nochmal aus der Schiene nehmen, in der er ausgerichtet ist. Gut, dass so viele Schraubzwingen da sind, und da bleiben können, während ich weiter arbeite.

Der Trend geht zur Zweitwerkstatt

Der Schwertkasten ist so schmal, dass man ihn später nicht mehr von innen lackieren kann. Nie wieder! Das muss also vor dem Zusammenbau passieren, kein Problem. Vorher passe ich aber noch das Design meinen Wünschen an:

Zur Versteifung des Schwerkastens und als spätere Auflage für die Planken haben die Seitenteile oben und unten ein Kantholz. Die Leisten sind schön schlank; das Boot soll schließlich leicht werden. Allerdings sieht die Konstruktion keine Gummilippe unterm Schwertkasten vor, so dass Wasser immer am Schwert vorbei ins Boot spritzen kann. Das will ich nicht. Aber ich will so eine Gummilippe auch nicht nachträglich auf den Rumpf schrauben, denn dann steht sie ja vor. Nein, die soll schön ordentlich versenkt werden. Allerdings heißt das, dass ich links und rechts vom Schwertkasten eine Nut in den Rumpf fräsen muss, die die Gummilippe aufnehmen kann. Dann bleibt aber nicht mehr genug von der Planke übrig, um sicher und stabil auf dem Kantholz darunter aufzuliegen. Mein unteres Kantholz soll also einen größeren Querschnitt haben, so dass die Auflagefläche immer noch reicht, wenn ich die Nuten für die Gummilippe fräse. Da ich diese Überlegungen erst angestellt habe, nachdem die Kanthölzer planmäßig angeklebt waren, klebe ich zusätzliche Leisten an um den Querschnitt zu vergrößern.

Damit ich voran komme, baue ich die Seitenteile des Schwertkastens im Laufe der Woche zu Hause. Um nicht anschleifen zu müssen, will ich nass in nass lackieren. Dazu muss ich da jeden Tag dran, für das bisschen Arbeit ist aber die Fahrt in die Halle zu weit. Und wenn ich nass in nass arbeite, muss ich ja nicht anschleifen, mache also zu Hause keine totale Sauerei. Während ich die Kanthölzer an die Seitenteile klebe läuft auch noch alles nach Plan, wobei es schwieriger ist, die bündig abschließen zu lassen als ich dachte. Das Ergebnis ist Epoxy unter der Schraubzwinge, was ich zu spät bemerke. Denn als ich sie wieder lösen will, bricht mir prompt ein gutes Stück Holz mit raus und die glatte Oberfläche des Schwertkastens ist dahin. Füller zum spachteln habe ich nicht da, ich wollte zu Hause schließlich nur lackieren. Ein Ausflug zu Obi beschert mir Autospachtel und ich mache die Löcher damit zu. Dass der weiß ist, stört mich nicht, denn es sieht niemand später wie mein Schwertkasten von innen aussieht. Aber es heißt natürlich, dass ich nun doch schleifen muss, was auf dem Balkon eine mittelschwere Sauerei ist. Letzten Endes erreiche ich aber mein Wochenziel und habe die Seitenteile fertig.