Flügel formen

 

Mit sinkenden Temperaturen wird es wieder Zeit, sich um Schwert und Ruder zu kümmern, die zwar irgendwann auch nochmal mit Epoxy bearbeitet werden müssen, aber bis dahin auch noch einige Schleifarbeiten brauchen. Nachdem ich das Gröbste im Mittelteil mit der Schleifmaschine gemacht hatte, während die Teile von eingespannt waren, sind nun die Kanten dran, die schön stromlinienförmig ausgearbeitet werden müssen. Dafür habe ich mir ein Schleifbrett gebaut und mit langen Strichen und 80er Papier waren die Kanten ruckzuck rund. Die Heckkante des Schwerts musste ich dann allerdings nochmal mit der Kreissäge nachschneiden, weil es sonst nicht in den Schwertkasten gepasst hätte.

Da ich nur an einer Seite den Anschlag für ein Profil hatte und die Bearbeitung mit der Fräse nicht ohne Tücken war, sah es so aus, als ob Schwert und Runder nicht ganz symmetrisch sind. Also habe ich mir eine Lehre gebaut, und tatsächlich passt eine Seite besser als die andere. Blöd. Diese Ungleichheit zieht sich über die gesamte Länge, nur beim Ruder wird sie nach unten hin etwas schlimmer. Trotzdem bin ich ganz zufrieden, dass ich keine Hügellandschaft gefräst und geschliffen habe und beschließe, dass die Auswirkungen auf die Segeleigenschaften zwischen links und rechts klein genug sein werden um sie zu ignorieren. Nach einem letzten Schliff mit der Maschine bis 240er Papier fühlen sich beide Foils dann schon ganz wunderbar glatt an.

Schwertprofil_1

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Bleibt noch die Form der Ober- und Unterkanten. Bevor ich aber beherzt die Stichsäge ansetze, messe ich noch fünfmal nach und trinke erstmal einen Kaffee. Es fällt mir wirklich schwer, die Foils auf die vorgegebene Länge zu schneiden nachdem ich so lange gebraucht habe, sie überhaupt in Form zu bringen. Letzten Endes lasse ich beide Foils so lang wie möglich, wodurch sie um einiges Länger sind als im Plan. Sollte das die Segeleigenschaften wirklich verschlechtern, kann ich sie immer noch hochziehen, da es ja beides Steckvorrichtungen sind.

Die Winkel und Rundungen der Ecken nehme ich vom Plan ab. Ein Viertelkreis aus Papier mit dem entsprechenden Radius dient als Schablone und nachdem ich die grobe Form gesägt habe glätte ich alles mit dem Handklotz.

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Fleißarbeit, dachte ich

Die Fräsarbeit an der zweiten Schwertseite habe ich noch im Frühling fertig gemacht und seitdem hat das Schwert den gesamten Sommer über geduldig unter einer Folie unterm Frässchlitten verbracht. Ohne warme Temperaturen in Sicht, habe ich nun die Ruhe, den Mittelteil der Oberfläche fertig zu schleifen. Anschließend löse ich das Schwert aus der Halterung, indem ich die Stege links und rechts vorsichtig mit dem Fräser abschneide. Auch wenn noch viel dran zu tun ist, sieht es jetzt tatsächlich schon mal aus wie ein Schwert.

Statt jedoch das Schwert fertig zu schleifen, bemühe ich nochmal den Frässchlitten und fräse erstmal das Ruder. Danach kann ich nämlich den Frässchlitten abbauen und habe die Arbeitsfläche wieder frei. Wie beim Schwert zeichne ich also auf beiden Stirnseiten eine Mittellinie und bringe ein Profil an einer Seite an. Anschließend richte ich die Planke mit Schieblehre, Keilen und Schrauben so aus, dass die Linie an allen vier Ecken den gleichen Abstand zum Frässchlitten hat.

Die erste Seite ließ sich dann auch erstaunlich schnell fräsen und in der Mitte schleifen. Ich hätte mir gerne eingeredet, dass es daran liegt, dass ich schon Übung habe, aber wahrscheinlich liegt es nur daran, dass es um einiges kürzer und schmaler ist als das Schwert.

RuderFraesen1RuderFraesen2

Denn bei der zweiten Seite passte es irgendwie nicht mehr. Nachdem ich die Oberseite planiert und die erste Hälfte profiliert hatte beschlich mich das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Wohl wissend, dass ich den ersten Einbau im Schein der Taschenlampe mit einigem Schattenwurf gemacht hatte, maß ich also nach. Und maß nochmal nach.

Vorsichtshalber habe ich Anschläge für die Schieblehre an meine Mittellinie geklebt und wieder gemessen. Als ich dann zufrieden war, habe ich erstmal wieder alles planiert und weiter gefräst. Aber als ich am Wochenende drauf wieder kam, war irgendwie wieder etwas schief und die Fräse nahm vorne und hinten unterschiedlich viel weg. Laut Schieblehre stimmte aber alles. Und so ging es zwei Wochenenden später wieder. Aber ich hatte keine Idee, was los war.

RuderFraesen8RuderFraesen9

In meinem Beruf gilt die Faustregel, dass etwas signifikant unterschiedlich ist, wenn man den Unterschied mit bloßem Auge sehen kann. Nun, gleich sind die beiden Seiten am hinteren Ende des Ruders sicher nicht. Aber ich habe es erstmal ausgebaut und werde mir überlegen, wie ich das noch retten kann.

Frühling, wo bist Du?!?

Kaum hatte ich mich beim Hohlkehlenziehen warm gelaufen, wurde es auch schon wieder zu kalt für Epoxy. Obwohl es also schon April ist, mache ich darum mit meinem Winterprojekt, den Foils, weiter. Die geleimten Bohlen müssen dafür profiliert werden und nach einem Tipp aus einem anderen Blog stand fest, dass ich es mit einer Oberfräse versuchen will, die ich auf einem Schlitten gerade über die Bohle führen kann. Da H. –  wie schon bei der Helling – der festen Überzeugung ist, dass so eine Schlittenkonstruktion krumm und schief wird wenn man sie aus Holz baut, musste zwingend ein Metallbau her. Während er tüftelte und schweißte, kümmerte ich mich um die Frage, wie ich denn das Profil vom Papier gut auf die Bohle übertragen bekomme. Klar, eine Kopie des Plans war schnell gemacht und das Profil damit auf die Stirnseite der Bohle zu übertragen wäre ein Kinderspiel. Aber dann hätte ich den Fräser per Augenpeilung auf die richtige Höhe einstellen müssen, was selbst mir dann doch zu ungenau erschien. Stattdessen habe ich also die Profilform auf ein Stück 10 mm Sperrholz übertragen und es mit der großen Schleifmaschine in Form geschliffen. Diese Form wurde dann auf die Stirnseite der Bohle geschraubt und beschert mir einen feinen Anschlag für den Fräskopf.

Bevor es dann losgehen konnte, habe ich das Schlittengerüst und die Bohle in waage ausgerichtet und gründlich fixiert. Dieser Satz klingt recht banal, es hat aber eines halben Tags hantieren mit Wasserwaaage und Schieblehre bedurft, bis die Bohle so lag, dass ihre Mittellinie überall den gleichen Abstand zum Schlitten hatte. Ich habe die Mittellinie zum Ausrichten genommen, weil beide Oberflächen ja nach dem Leimen etwas uneben waren, was ja dann später weggefräst wird.

Und dann ging es los, Fräser auf den Schlitten setzen, Frästiefe einstellen und Schicht für Schicht das Schwertprofil aus dem Holz herausarbeiten. Der Trick mit dem vorgesetzten Profil, auf das ich den Fräser aufsetzen kann hat super funktioniert und das Schwierigste an der Arbeit war tatsächlich überhaupt zu verstehen, wie die Fräse funktioniert. Wie rum dreht sich der Kopf? Wo nimmt er dann das Holz ab? In welche Richtung arbeite ich also am besten? Und wie stelle ich die Höhe des Fräsers ein??

Nachdem ich den Bogen raus hatte, musste ich nur noch konzentriert arbeiten. Denn natürlich ist die Stahlbauweise nicht die Lösung für alle Schiefen-Probleme. Wenn man etwas drückt, biegt sich der Schlitten nämlich durch und Schwups hat man unterschiedlich tief gefräst.

Aber irgendwann war die erste Seite dann soweit profiliert, dass bis zur Mittellinie nur noch dünne Stege rechts und links dran waren. Ich habe die Gelegenheit, dass das Schwert durch die seitlichen Auflagen noch stabil und gerade liegt, genutzt um den Mittelteil schonmal zu schleifen. Oh wei ist Esche hart! Das Profil wirklich glatt zu schleifen wird noch einige Zeit dauern.

Aber erstmal ist die zweite Seite dran.

 

Weihnachtsbastelei

Schwert und Ruder sind das Winterprojekt. Denn die meiste Arbeit daran ist Fräsen und Schleifen, was ich auch bei Kälte machen kann. Und die Klebearbeiten daran sind klein genug, als dass ich sie zu Hause machen kann. Denn Holzplanken müssen dafür erstmal aus Leisten geklebt werden. Ich habe mich für Eschenholz als Kern entschieden, da es hart und stabil ist. Darüber kommen dann zwei Lagen Glas und am liebsten möchte ich es klar lackieren. Das heißt aber, dass ich beim Schleifen obersauber arbeiten muss, da ich nicht spachteln kann.

Beim Holzhändler fand sich eine 50 mm Baumscheibe, die wir mit der Kreissäge aufsägen. Mit dem Schwert geht es los. Um die Leisten optimal gegeneinander drehen zu können und somit zu verhindern, dass sich die Foils verziehen, will ich quadratische Querschnitte haben. Und um möglichst wenig Verschnitt und genug Platz zum Hobeln, Fräsen etc. zu haben, sollen zwei Leisten aus der Scheibenhöhe entstehen, mit Abzug des Sägeschnitts also 23,4 mm.

Die Leisten für das Schwert bemesse ich in der Länge großzügig (1,20 m), weil ich noch nicht weiß, wie ich den Schwertkopf ausbilde; das Dix-Design gefällt mir nicht. Und wir schneiden 14 Stück auf. Damit wird das Leimholz zwar sehr viel breiter als das Schwert, aber dann kann ich beim Fräsen links und rechts einen planen Überstand lassen, was die Bearbeitung der zweiten Seite leichter macht.

Weil es in der Halle im Winter zu kalt ist, werden die Leisten zu Hause mit Epoxy verklebt. Es ist schon eine ganze Autoladung voll, die Leisten, das Epoxy samt Waage und Zubehör sowie die ganzen großen Schraubzwingen und Balken zum Einzwingen nach Hause zu bringen. Drei Balken dienen als Unterlage, damit die Zwingen seitlich an den Leisten greifen können. Folie dient als Schutz und dann wird erstmal gepuzzelt. Die Leisten sollen so liegen, dass sich immer horizontal und vertikal laufende Jahresringe abwechseln. Und Leisten mit leichtem Bogen werden so gelegt, dass der Bogen in der Horizontalen ist und somit beim Kleben gerade gedrückt wird. Ich hatte zwei so Bögen und habe sie, mit einer geraden Leiste dazwischen, gegeneinander gelegt, damit sie nicht in die gleiche Richtung wirken. Und dann ging’s los. Was die Epoxymenge betraf, hatte ich mich total verschätzt, so dass die erste Mischung ruckzuck leer war. Damit die ganze Aktion aber nicht zu lange dauert, hat H. netterweise geholfen und in der Küche Epoxy gemischt und angedickt, während ich die Leisten auf beiden Seiten eingestrichen habe. Angedickt habe ich übrigens mit Holzfüller (in Okoumé-Farbe) und nicht mit dem Zeug von Kurolon, das zum Epoxy gehören würde. Letzteres ist nämlich weiß und könnte auffallen, wenn ich später klar lackiere. Letzten Endes sind ca. 300g Epoxy plus Füller in das Schwert gegangen, wovon aber so einiges beim Zusammenzwingen wieder rausgequetscht wurde. Hilft ja nichts.

Gezwungen haben wir dann mit 8 großen Zwingen quer drüber. Mit Balken oben drauf haben wir verhindert, dass sich die Leisten Übergebühr abheben. Der Plan war, dass alle plan auf den unteren Balken aufliegen und ich zumindest auf einer Seite eine ebene Fläche bekomme. Damit die oberen Balken alle Leisten runterdrücken, auch wenn sie nicht komplett gleich hoch sind, haben wir gefaltete Zeitung (natürlich mit Folie drunter) drunter gelegt. Hinterher hat sich gezeigt, dass der Plan nicht ganz aufgegangen ist, aber immerhin ist das Leistenholz in Sich nicht verzogen.

Oben habe ich das überschüssige Epoxy abgenommen und dann hieß es gut aushärten lassen, vorsichtshalber knapp 2 Tage. Ach ja, die ebene Unterlage ist übrigens der Esstisch… am ersten Weihnachtsfeiertag!

Nachdem alles auseinander genommen ist, heißt es, das rausgequetschte Epoxy an der Unterseite abzukratzen. Natürlich ist es nach 6 Tagen aushärten knüppelhart. Einen Großteil davon schlage ich mit Hammer und Stecheisen runter. Den Rest glätte ich von Hand mit 80er Papier soweit, dass nichts mehr über das Holz übersteht. Mit der Maschine habe ich mich nicht getraut, weil ich keinen harten Schleifteller habe. Und ein weicher Teller hätte womöglich das Holz um das Epoxy herum weggeschliffen, das hatte ich ja bei den Planken schon.