Der erste warme Tag

Der erste warme Tag des Jahres war ein Dienstag und ich hatte sogar Urlaub. Aber statt an unseren jeweiligen Baustellen zu arbeiten, waren wir in Warnemünde und tranken Cappuccino mit Blick aufs Meer.

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Weiter geht’s, immer weiter geht’s

Als nächstes kamen die Seitenplanken. Laut Anleitung sollen die leichter gehen, weil sie nicht so stark gebogen sind. Außerdem kann man sie zunächst trocken an die Bodenplanken annähen und dann erst Bug und Spiegel kleben und nähen. Allerdings klappt das nur so ohne weiteres, wenn man die Löcher in den Planken passend gebohrt hat. Und das ist nicht unbedingt der Fall, wenn man es nach Papierplan macht. Nachdem also beide Planken dran hingen und wir nach und nach die Kabelbinder festzogen, zeigte sich, dass sie vorne am Bug nur mit großer Lücke passen.

Einerseits war die Bugplatte leicht verdreht, andererseits saßen aber auch die Seitenplanken zu weit hinten. Wahrscheinlich hätte ich es spachteln können, aber die Lücken waren mir zu groß. Neu machen hieß aber, alle Kabelbinder nochmal ab, neue Löcher bohren und nochmal anfangen. Die Löcher waren nicht das Problem, die kann man spachteln. Aber reichen die Kabelbinder? Es war natürlich Sonntag und Nachschub ließ sich nicht besorgen. Aber als die große Kabelbinderzählung ergab, dass sie reichen, habe ich beide Seitenplanken nochmal abgenommen und neu angehängt. Und plötzlich waren die Lücken am Bug ganz klein.

Es wurde schon dunkel als ich die Stöße zwischen den Kabelbindern mit angedicktem Epoxy zugeschmiert habe. Aber dann war die Metamorphose geschafft: Am 3. Oktober, dem letzten Tag des Jahres über 15 Grad, war aus dem Steckdino ein Stachelschwein geworden.

Stachelschwein4

Die Helling

Die Anleitung dazu ist recht eindeutig: Nimm zwei gerade Balken von gut drei Meter Länge, fixiere sie mit diagonalen Streben so dass sie parallel zu einander sind und lege sie auf Böcke. Daran richtest du dann dein Spantengerüst absolut parallel und in waage aus.

Tja, nur wo bekomme ich zwei so lange Holzbalken her, die absolut gerade und winklig sind? Aber ich arbeite ja in einer gut ausgestatteten Werkstatt und findet sich eine Alu-Leiter, die als gerader Träger dienen kann. Nur leider ist sie nicht breit genug und auch ein bisschen lang. Würde ich darauf die Spanten aufsetzen, würden die Planken sich mit der Leiter ins Gehege kommen. Dafür kann man ja kurze Holzstücke in passender Breite dran zwingen, deren Oberkanten man dann mit dem Richtscheit ausrichtet. Super Idee, denn dann müssen auch die Böcke nicht absolut in waage stehen. Gesagt – getan. Ich habe Klötze in der richtigen Breite und Länge gebaut und in den Abständen an der Leiter festgemacht, wie der Spantenabstand im Plan steht. Nach nur dreimal Ausrichten und zweimal die Abstände ändern war dann auch alles gut und die Spanten lagen schön in einer Flucht.

Dann kamen die Stützhölzer dran. Die müssen leicht schräg (so 89 Grad) an die Klötze, um die Spanten in Position zu halten. Okay, mit Schraubzwingen fixieren, ausrichten, festschrauben. Dabei darauf achten, dass sie nicht über das Spantengerüst hinaus ragen, weil sonst später die Planken nicht drauf passen. Und wenn alles passt: festschrauben!

Nur leider dauert es ewig, bis alles passt. Denn wenn man die unteren Klötze zu doll an die Leiter zwingt, drückt man die Leiter ein. Und wenn man nicht doll genug zwingt, verschieben sich die Klötze, wenn man an den Stützhölzern ruckelt und man kann nochmal gaaanz von vorne anfangen. Und wenn man dann noch zu spät feststellt, dass die Stützhölzer ober drüber ragen, stellt sich die Frage: Baue ich das Stützholz nochmal komplett ab um es kürzer zu sägen, oder säge ich vor Ort. Vor Ort sägen ist übrigens eine Scheiß-Idee…Von wegen Ruckeln und Schraubzwingen an der Leiter und so.

Meine nächste Helling wird aus zwei langen Kanthölzern, die mit diagonalen Streben verschraubt sind, so dass sie parallel zu einander sind. Viel ungenauer kann das auch nicht werden. Erstrecht nicht, wenn ich sehe, wie verzogen die Spanten in sich sind. Die Mittelrippe richte ich daher noch gerade, indem ich links und rechts Kanthölzer anklemme.

Aber am Ende steht die Helling, die Spanten sitzen drauf und sind mit dem Stützhölzern verschraubt: der Steckdino steht.

Zuschnitt

Zwischen Warten auf die Post und den vorläufigen Kopien geht es dennoch langsam mit dem Zuschnitt los. Das Holzgitter erweist sich als prima Unterlage, denn die Sperrholzplatten lassen sich darauf prima an vielen Stellen festzwingen und ich kann innerhalb des Gitters sägen. Wenn die Platten am Anfang noch sehr groß sind, beschwere ich sie in der Mitte mit Autobatterien. Dadurch schwingt die Platte dann wirklich kaum noch. Die Formen der Bauteile übertrage ich, indem ich sie mit einem gezackten Kopierrädchen aus dem Nähkästchen durch das Papier durchpause. Damit bekomme ich auch die engen Rundungen gut hin. Allerdings muss ich die Linien dann noch mit Bleistift nachziehen, damit ich die Linie unter der Stichsäge noch sehen kann.

Als Sägeblatt eignen sich die schmalen Glattschnittblätter gut, die die Rundungen sauber schneiden und mit etwas Übung werden auch die Linien entlang der Aussparungen in den Spanten gerade. Gerade Außenkanten wir dann aber doch mit der Handkreissäge. Allerdings sind weniger Kanten gerade als es auf den ersten Blick aussieht. Viele Kanten der Spanten, zum Beispiel, haben einen ganz leichten Schwung und müssen mit der Stichsäge gesägt werden.

Letzte Unebenheiten schleife ich von Hand mit 120er Papier weg, wobei ich bei den Aussparungen der Spanten nur größere Versprünge glätte. Ob das glatt ist oder nicht sieht später niemand, es muss sich nur gut versiegeln lassen. Was aber genau passen muss, sind die Aussparungen, in die die Stringer eingesetzt werden. Da hilft die Viereck-Feile, die praktischerweise 12 mm Kantenlänge hat, genau wie die Stringer. Weil sie angezeichnet sind, bohre ich auch die Löcher in der Mittelrippe, durch die später die Kabelbinder beim Vernähen gezogen werden sollen. Später zeigt sich allerdings, dass ich mir das hätte sparen können. Denn die Löcher muss ich beim Vernähen neu bohren, damit sie genau zu den Löchern in den Planken passen.

Dann rühre ich das erste Mal Epoxy an und klebe die Verstärkung auf den Spiegel. Metallgewichte drücken beide Teile flächig aufeinander und ich wische die Stringeraussparungen mit einem Lappen so gut es geht sauber. Trotzdem muss ich da hinterher mit Stecheisen und Schleifpapier nacharbeiten, damit die Stringer wirklich reinpassen. In dem Zuge schleife ich gleich den gesamten Spiegel von innen dort an wo Epoxy herausgequollen ist. Das geht schließlich viel besser solange er noch flach auf der Arbeitsplatte liegt, statt später, wenn er senkrecht auf der Helling steht.